Jana und Chris hätten eigentlich schon in ihrer Jugend ein gutes Liebespaar abgegeben. Beide waren leidenschaftliche Judoka im selben Verein. Sie galt als hoffnungsvolles Talent und kannte schon damals seinen Vater, der sich auch im Verein engagierte. Kennen und Lieben lernten sie sich allerdings erst rund 25 Jahre später mit reichlich Nachhilfe.
Beide hatte es nach der Wende in den Westen verschlagen. Sie kehrte 2010 nach Senftenberg zurück, er Anfang 2014. Eine gemeinsame Freundin brachte sie schließlich zusammen, über einen eigens dazu inszenierten Grillabend. Der Plan ging auf. Es folgten weitere Gespräche, ein Picknick auf dem Balkon, es wurde immer intensiver und die Schmetterlinge machten sich bei beiden im Bauch breit. Jana hatte mit Nik bereits einen zweieinhalbjährigen Sohn, der den neuen Mann im Leben der kleinen Familie wirklich cool fand, sicher trugen Chris’ soziale Ader als Krankenpfleger und seine Kinderliebe dazu bei. Schon einen Monat nach dem ersten Grillabend wurde aus zwei Rückkehrern ein Pärchen und er zog bei ihr ein. Die Liebe wuchs und mit ihr der Wunsch nach gemeinsamen Kindern und einem Ausdruck für das zweisame Lebensglück. Chris wollte einen ungezwungenen Heiratsantrag zum richtigen Zeitpunkt. Dieser Moment kam sehr spontan bei der Rückfahrt vom Einkauf an einer roten Ampel, während der Regen aufs Auto trommelte. Freude, Tränen und ein lautes „Ja klar“ waren Janas Antwort. Beide stürzten sich gleich in die Hochzeitsvorbereitungen. Als Termin wählten sie mit dem 1. September einen Spätsommertag, wenn es nicht mehr so heiß ist. Die Planungen gerieten allerdings durcheinander, als sie durch eine Untersuchung erfuhren, warum ihr gemeinsamer Kinderwunsch seit geraumer Zeit nicht in Erfüllung ging – und dass sie sich diesen Wunsch nur mit Hilfe einer Kinderwunschklinik erfüllen können. Da sich dies für verheiratete Paare deutlich einfacher gestaltet, zogen sie die standesamtliche Trauung kurzerhand vor und gaben sich bereits zum Jahresbeginn ihr offizielles „Ja“ in ganz kleiner Runde, nur mit Kind, Eltern und Großeltern. Ein Grillabend beschloss die lockere Familienfeier. Die große Hochzeit sollte mit schöner Traurede eines guten Freundes wie geplant im Spätsommer stattfinden.
Ihr Traumkleid hatte Jana schon zur standesamtlichen Trauung bei Hermann Brautmoden in Lauchhammer gefunden, ließ es aber zur großen Hochzeit um Schleier und Schleppe erweitern. Für die Trauung sollte es ein besonderer Ort sein, beide liebten den Schlosspark inmitten der Stadt.
Eine freie Trauung hatte es dort noch nie gegeben, die Stadt kam dem Pärchen aber sehr entgegen und machte das erneute „Ja“ in idyllischer Atmosphäre möglich. Als alles feststand, wenige Wochen vor der Hochzeit, sagte der mit der Rede betraute Freund überraschend ab. Jana war schier verzweifelt, suchte und entdeckte auf einem Lausitzer Hochzeitsportal die Hochzeitsplanerin Heike Hirmer mit großer Erfahrung im Bereich freier Trauungen. Gleich beim ersten Telefonat waren alle Sorgen verflogen. Fast schon mütterlich gab Heike Hirmer dem jungen Paar Sicherheit und in zwei langen Gesprächen das Gefühl, dass nichts schief gehen kann.
Am Vorabend der Hochzeit wurde mit den angereisten Gästen schon einmal vorgefeiert, natürlich bei Bratwurst und Bier. Die Nacht verbrachte Chris dann – zum Glück – bei seinen Eltern im Stadtzentrum. Die Reinigung der Wiesenfläche im Schlosspark hatte nämlich nicht geklappt, und so machte sich Chris samt Trauzeuge und einem weiteren Freund sowie vom angrenzenden Tierpark geborgten Harken an die Entlaubung der riesigen Wiese. Pünktlich zur Trauung meldete sich dann wie zum Heiratsantrag der Himmel mit Freudentränen. Den leichten Regen spürten die beiden aber vor Aufregung kaum. Die Trauung samt Ritual wurde zum emotionalen Höhepunkt. Der kleine Nik brachte die Eheringe auf einem Ringstab. Für die romantischen Hochzeitsbilder ging es danach wie bei so vielen Senftenberger Pärchen an den See, während die Gäste als besondere Überraschung mit einer Massage verwöhnt wurden. Gefeiert wurde dann in der Wendischen Kirche, einem Teil der Peter-Paul-Kirche. Für die vielen Kinder gab es eine extra Süßigkeitenbar, Spiele und Bastelei und reichlich Platz im Garten. Durch das anschließende Fest zogen sich dann etliche Highlights. Zur Begrüßung schnitten sie samt Söhnchen Herzen aus einem Laken, es folgten verschiedene Spiele und viel Tanz. Die Tanzfläche eröffneten sie mit ihrem Lieblingslied „Bed of Roses“. Zwei Uhr in der Früh ging es nach Hause, wo ausgerechnet jene Freundin, die sie drei Jahre zuvor zusammenbrachte, mit Unterstützung weiterer Freunde für blankes Chaos gesorgt hatte. Zwei Stunden kämpfte sich das Paar durch Murmeln, Federn, Ballons und jede Menge Unrat, bevor sie geschafft, aber glücklich ins Bett fielen.
„Die freie Trauung war Gänsehaut pur, selbst der Himmel weinte Freudentränen. Wir würden es wieder genauso machen!“